Hapkido Verein ASKÖ Mürzzuschlag


Wissenswertes über Hapkido

Hapkido

Hapkido ist eine moderne koreanische Kampfkunst, die gekennzeichnet durch ihren defensiven Charakter, ausnahmslos zur Selbstverteidigung unterrichtet wird. Nicht der Angriff sondern die Abwehr bzw. der Schutz der eigenen Person sowie Dritter steht im Mittelpunkt.

Das Ziel der Hapkido Techniken ist, jede Auseinandersetzung schnellstmöglich zu beenden. Oft genügt auch nur eine einzige Technik, um einen Angreifer außer Gefecht zu setzen.

Als Technik wird im Hapkido ein festgelegter Bewegungsablauf bezeichnet, der z.B. eine Abwehrbewegung, ein Fußtritt, eine Wurfbewegung oder eine Kombination aus diesen sein kann. Die Techniken die im Hapkido Verwendung finden sind vielfach erprobt und dementsprechend wirkungsvoll.

Aus diesem Grund werden Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs in zahlreichen Ländern der Welt in Hapkido unterrichtet. Durch das sogenannte Kraftausnutzungsprinzip, bei dem die Kraft des Angreifers genutzt und gegen diesen selbst verwendet wird, ist Hapkido auch besonders gut für Frauen und körperlich schwächere Personen geeignet.

Bedeutung

Der Name Hapkido besteht aus drei Silben, die im Einzelnen folgendes bedeuten:

HAP ......... steht für die Harmonie sowie Einheit von Körper und Geist

KI ............. steht für die Lebensenergie und innere Kraft

DO ........... steht für den (Lebens- o. Trainings-) Weg sowie für die Lehrmethode


Eine offizielle deutsche Übersetzung für Hapkido gibt es nicht. Eine freie Übersetzung kann aber aus der tieferen Bedeutung der einzelnen Namensbestandteile abgeleitet und in etwa so interpretiert werden:

Hapkido ist "ein Weg die Energie in Harmonie mit dem Körper zu vereinen".

Im Englischen lautet eine gängige Übersetzung "the way of coordinated power" was ins Deutsche übersetzt "der Weg der koordinierten Kraft" bedeutet.

Daehanminguk Hapkido

Einige Jahre nach der Gründung des Hapkido verließen die ersten Meister ihr Heimatland Korea um diese Kunst der Selbstverteidigung in der Welt zu verbreiten. Dabei gründeten sie zum Teil eigene Verbände und Organisationen. So kam es, dass im Laufe der Zeit einige Stilrichtungen entstanden sind, die zwar alle denselben Ursprung haben, sich aber in deren Philosophie oft stark unterscheiden.

Um ein Beispiel zu nennen: die meisten Hapkido-Stile erachten das Kämpfen im Training als wichtig (wie z.B. im Daehanminguk Hapkido-Stil) und veranstalten dazu sogar große Meisterschaften, andere Stile wiederum lehnen es strikt ab, mit der Begründung dass Hapkido eine Selbstverteidigungskunst und kein Wettkampfsport ist.

Im Hapkido Verein Mürzzuschlag wird sogenanntes "Daehanminguk Hapkido" trainiert.

Der Begriff "Daehanminguk" ist koreanisch und heißt übersetzt "Republik Groß-Korea", so wie die Republik Südkorea von den Einheimischen genannt wird. Die Bezeichnung "Daehanminguk Hapkido" steht somit für echtes, koreanisches Hapkido. Der Mürzzuschlager Hapkido Verein gehört durch den Österreichischen Hapkido Fachverband der Daehanminguk Hapkido Federation, mit Sitz in Seoul (Südkorea), an. Dies garantiert originales, unverfälschtes Hapkido, so wie es in Korea gelehrt und trainiert wird.

Geschichte und Entwicklung

Hapkido wie wir es heute kennen wurde Mitte des 20. Jahrhunderts gegründet, wobei die Wurzeln weit über 2000 Jahre zurückreichen.

Die Hapkido-Techniken entstammen aus den verschiedensten Kampfstilen Koreas, unter anderem auch aus den Kriegskünsten der Samurai. Im Laufe dieser langen Geschichte kamen auch Einflüsse aus Japan und China hinzu. Dies alles erklärt die Vielfältigkeit und den großen Variantenreichtum des Hapkido. Obwohl es dadurch Ähnlichkeiten mit anderen Kampfkünsten gibt, ist dennoch ein eigener, unverkennbarer und sehr effektiver Stil entstanden.

Hapkido wurde in der Vergangenheit immer wieder weiterentwickelt und wird auch noch heute neuen Erkenntnissen und Gegebenheiten angepasst, wodurch es trotz seiner alten Wurzeln als modernes Mittel der Selbstverteidigung angesehen wird.

Die Prinzipien des Hapkido

Im Hapkido gibt es drei Grundprinzipien, auf deren Grundlage ein Großteil der Techniken beruht. Das bereits erwähnte Kraftausnutzungsprinzip zählt zwar nicht direkt dazu, es resultiert aber schlussendlich aus folgenden drei Grundprinzipien.

Das Prinzip des Kreises

Harmonische Bewegungen sind meist von runder und kreisförmiger Natur. Ebenso basiert ein Großteil der Hapkido-Techniken darauf. Um die geradlinige Kraft bzw. Energie eines Angriffs kontrollieren zu können, wäre ein Kraft-gegen-Kraft-Versuch meist nicht zielführend. Deshalb wird diese Energie mit wenig Kraftaufwand in eine Kreisbewegung gelenkt und entweder ins Leere oder in eine für den Hapkidoin vorteilhafte Hebel- oder Wurfsituation geführt.

Das Prinzip des Flusses

Ein Fluss, der seinen Weg durch die Landschaft sucht und dabei immer den Weg des geringsten Widerstandes geht, entwickelt im Moment der Stauung eine ungeheure Kraft. Ähnlich verhält sich der Hapkidoin mit dem Ziel einerseits Energie zu sammeln und im richtigen Moment in die Technik fließen zu lassen. Die richtige Atmung sowie der Kiap sind dabei wichtige Hilfsmittel.

Andererseits wird auch versucht die Energie des Angreifers bzw. des Angriffs zum eigenen Vorteil zu nutzen, indem der Energiefluss nicht unterbrochen werden darf, man der Angriffsenergie möglichst keinen Widerstand entgegensetzt und diese somit ungebremst in die eigene Technik übernimmt.

Das Prinzip der Einwirkung

Das Prinzip der Einwirkung ist sehr vielfältig und zielt darauf ab, den Angreifer zu "manipulieren", abzulenken bzw. sein Handeln gezielt zu beeinflussen.

Ein Beispiel: Stell dir vor, jemand steht vor dir und schaut plötzlich hoch zum Himmel. Was machst du? Womöglich dasselbe. Wie du jetzt bemerkst wirkt er unbewusst auf dich ein und verleitet dich so zu einer Bewegung.

Noch ein Beispiel: Du gibst jemandem die Hand und dieser versucht dich plötzlich zu sich zu ziehen. Was machst du in diesem Fall? Höchstwahrscheinlich mit einer Zugbewegung reagieren und dich dagegenstemmen. Dein Verhalten geschieht dabei vollkommen automatisiert, unbewusst und reflexartig.

Der Hapkidoin lernt wie er solche Reflexbewegungen beim Angreifer gezielt hervorrufen kann, um diese in weiterer Folge zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen.

Dieses sogenannte "Einwirken" auf die Handlungsweise des Angreifers wird auf unterschiedlichste Art erreicht: durch direkten Körperkontakt ebenso wie akustisch durch den Kiap oder optisch durch das Antäuschen von Bewegungen (z.B. Fußtechniken).

In der Selbstverteidigung spielt das "Einwirken" sogar vor einer Konfrontation schon eine entscheidende Rolle. Personen mit genügend Selbstbewusstsein haben eine ganz spezielle Ausstrahlung. Allein durch die entsprechende Körpersprache wird man oft nicht mehr als "Beute" angesehen und kann so womöglich einer Konfrontation entgehen.

Der Ausbildungsweg

Die Vielseitigkeit des Hapkido spiegelt sich im Ausbildungsweg wieder, den jeder Hapkidoin beschreitet. Abgesehen von den allgemeinen körperausbildenden Inhalten wie Konditionstraining, Dehnungs- sowie Kräftigungsübungen, Koordinations-, Gleichgewichts- und Reaktionsschulung kann man Hapkido in verschiedene Ausbildungsbereiche gliedern:

Technikausbildung

Fallschule

Die Kunst des richtigen und kontrollierten Fallens wird mit Hilfe der Fallschule trainiert. Aufgrund der Tatsache, dass es im Hapkido sehr viele Wurftechniken gibt, kommt der Fallschule eine große Bedeutung zu. Das Ziel ist demnach, Verletzungen zu vermeiden und so sanft wie möglich zu landen wenn man selbst geworfen wird. Die verschiedensten Falltechniken werden von Grund auf mittels einfacher Vorübungen erlernt und stetig erweitert.

Fußtechniken

Hapkido ist bekannt für kraftvolle Fußtechniken. Sowohl Basistechniken als auch gesprungene und andere, spezielle Fußtritte - alles ist im Hapkido vorhanden. Trainiert werden diese ohne Widerstand in die Luft, in verschiedenen Partnerübungen und auf Schlagpolster und Pratzen.

Schlagtechniken

Zu den Schlagtechniken zählen alle Arten von Faust-, Handkanten- und Ellbogenschlägen. Ebenso werden auch andere Teile der Hand wie z.B. der Handballen zum Einsatz gebracht. All diese Techniken werden zu Beginn in Form der Grundschule erlernt.

Technikprogramm

Das Technikprogramm beinhaltet alle Selbstverteidigungstechniken wie Befreiungs-, Abwehr-, Hebel- und Wurftechniken sowie Bodenfixierungen. Es ist klar strukturiert und nach Schwerpunkten gegliedert. Der Hapkidoin lernt sich in den verschiedensten Angriffssituationen, wie z.B. Umklammerungen, Haltegriffe, Würgegriffe, Angriffe mit Faust- oder Fußtechniken, Wurfangriffe usw. zu verteidigen. Später werden auch Angriffstechniken, Messer- und Waffenabwehr sowie der Umgang mit traditionellen Waffen gelehrt.

Freikampf

Um sich im Ernstfall optimal verteidigen zu können ist es von Vorteil mit ähnlichen Ausnahmesituationen vertraut zu sein. Der Freikampf bietet eine solche Ausnahmesituation und ist daher die beste Möglichkeit die erlernten Techniken realitätsnah zu trainieren. Da beide Wettkämpfer permanent in Bewegung sind und sich die Kampfsituation ständig ändert, ist ein gutes Anpassungsvermögen gefragt. Man kann nur schwer erahnen wie der Gegner angreifen oder sich verteidigen wird, weshalb beide Wettkämpfer unter enormem Stress stehen. Die Herausforderung, unter diesen Umständen gezielt Techniken einzusetzen ist dementsprechend groß. Obwohl Hapkido kein Wettkampfsport ist, ist der Freikampf dennoch die beste Übung für den Ernstfall.

Bruchtest

Ab dem Erreichen eines bestimmten Gurtgrades darf der Hapkido-Schüler sogenannte Bruchtests ausführen. Dabei wird versucht ein oder mehrere Holzbretter mit einer Hand- oder Fußtechnik zu zerbrechen. Diese Bretter sind unterschiedlich dick und werden entweder mit beiden Händen oder mit nur zwei Fingern gehalten, um möglichst keinen Widerstand zu erzeugen. Hier spielt vor allem die Schnelligkeit der Technik eine entscheidende Rolle.

Das Gurtsystem

Ähnlich wie in zahlreichen anderen Budo-Sportarten gibt es auch im Hapkido ein Gurtsystem mit verschiedenfarbigen Gürteln.

Der Gürtel, der ursprünglich noch als reines Kleidungsstück und als Notwendigkeit um die Hose und das Gewand zu halten verwendet wurde, erfüllt schon lange noch einen ganz anderen Zweck: heute dient der Gürtel vielmehr der Kennzeichnung des eigenen Ausbildungsstandes. Dadurch entsteht unter den Trainierenden eine Hierarchie, die wichtig ist um im Trainingsbetrieb eine gewisse Ordnung zu halten.

Jedem Gurtgrad sind bestimmte Fähigkeiten zu Grunde gelegt, die ein Hapkidoin beherrschen muss um eben diesen jeweiligen Gürtel tragen zu dürfen.

Gurtprüfungen

Um die Fähigkeiten der Hapkidoin festzustellen gibt es sogenannte Gurtprüfungen. Die zu erbringenden Leistungen sind genau festgelegt und müssen vor einer Prüfungskommission dargeboten werden.

Dazu ein Beispiel:

Bei der Gurtprüfung zum 8. Kub (gelber Gürtel) wird Folgendes verlangt:

6 Falltechniken
6 Schlagtechniken
6 Fußtechniken
29 Techniken aus dem Technikprogramm (Handbefreiungen, Hebeltechniken, Wurftechniken)
47 Techniken gesamt

Dieses Schema zieht sich durch alle Gurtprüfungen, wobei zusätzlich auch die Techniken aller vorherigen Gurtgrade mitgeprüft werden. Je nach Gurtgrad kommen noch Atemtechniken, Bruchtest und Theoriefragen über Hapkido sowie aus den Bereichen Anatomie, Sportbiologie, Trainings- und Bewegungslehre, Methodik und Erste Hilfe hinzu. Bei höheren Gurtgraden ist zudem auch eine gewisse Freikampferfahrung nötig.

Gurtgrade

Es gibt im Hapkido 9 Kub-Grade und 10 Dan-Grade, wobei ab dem 5. Dan alle weiteren Grade nur aufgrund besonderer Verdienste um Hapkido verliehen werden.

Die Kub-Grade werden beginnend mit dem 9. Kub abwärts gezählt, im Gegensatz zu den Dan-Graden, die beginnend mit dem 1. Dan aufsteigend gezählt werden.

Jeder Gurtgrad hat einen bestimmten Schwerpunkt. Dieser bezieht sich in erster Linie auf das Technikprogramm, welches im Durchschnitt ca. 40 Techniken beinhaltet.

Übersicht aller Gurtgrade und deren Schwerpunkte

Weißer Gürtel 9. Kub weißer Gürtel Jemand der mit dem Hapkido-Training beginnt hat automatisch diesen Gurtgrad und trägt den weißen Gürtel

Gelber Gürtel 8. Kub gelber Gürtel Grundtechniken

Gelber Gürtel + 1 blauer Streifen 7. Kub gelber Gürtel
+ 1 blauer Streifen
Verteidigung gegen Angriffe und Umklammerungen von vorne

Blauer Gürtel 6. Kub blauer Gürtel Verteidigung gegen Angriffe und Umklammerungen von hinten

Blauer Gürtel + 1 roter Streifen 5. Kub blauer Gürtel
+ 1 roter Streifen
Verteidigung gegen Angriffe mit Fausttechniken

Blauer Gürtel + 2 rote Streifen 4. Kub blauer Gürtel
+ 2 rote Streifen
Verteidigung gegen Angriffe mit Fußtechniken

Roter Gürtel 3. Kub roter Gürtel Verteidigung gegen Angriffe mit Wurfabsicht

Roter Gürtel + 1 schwarzer Streifen 2. Kub roter Gürtel
+ 1 schwarzer Streifen
Diverse fortgeschrittene Techniken

Roter Gürtel + 2 schwarze Streifen 1. Kub roter Gürtel
+ 2 schwarze Streifen
Angriffstechniken

Schwarzer Gürtel ab
1. Dan
schwarzer Gürtel Messer- und Waffenabwehr, diverse Spezialtechniken, Angriffstechniken, Waffentechniken, Bodenkampf